/Fungibilitätsabschläge: Sinnhaftigkeit und Quantifizierung

Fungibilitätsabschläge: Sinnhaftigkeit und Quantifizierung

von Dr. Andreas Langemann

Während in den USA scheinbar die Quantifizierung von Fungibilitätsabschlägen – also das „Wie“ – im Vordergrund der Diskussion steht, gibt es in der deutschen Bewertungsliteratur ein allgemeines Unbehagen gegen deren Einsatz – also gegen das „Ob“. In den USA wird das „Ob“, zumindest bei schenkung und erbschaftsteuerlichen Bewer tungen von Minderheitenanteilen, selten in Frage gestellt.1 Darüber hinaus hat der Kapitalmarkt für die Preisfi von Unternehmensanteilen traditionell eine große Bedeutung. Preisunterschiede und -veränderungen am Kapitalmarkt werden für die Quantifizierung von Fungibilitätsabschlägen herangezogen;2 die empirische Kapitalmarktforschung hierzu ist umfangreich.

In der deutschen Bewertungsliteratur ist die Skepsis gegenüber der Verwendung eines Fungibilitätsabschlags weit verbreitet. Das „Ob“ wird in Zweifel gezogen, obwohl Preisunterschiede gleicher Objekte an unterschiedlich liquiden Märkten durchaus gesehen werden.3 Hier werden für steuerliche Zwecke nichtbörsennotierte Unternehmen ohne Fungibilitätsabschläge mittels Stuttgarter Verfahren (bis 2008) oder vereinfachtem Ertragswertverfahren (ab 2009) bewertet bzw. objektvierte Unternehmenswerte nach IDW S 1 (2008) gutachtlich ermittelt. Wegen seiner geringen Bedeutung besteht ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Preisbildungsprozessen am Kapitalmarkt, wodurch sich die Bedenken gegen über Börsen und M&A-Multiplikatoren oder der Verwendung von Fungibilitätsabschlägen erklären lassen.4 Die empirische Kapitalmarktforschung zum Fungibilitätsabschlag steckt hierzulande in den Kinderschuhen.5

Die Verwendung von Fungibilitätsabschlägen stößt an ihre Grenzen, sobald die Unternehmensbewertung intersubjektiv nachprüfbar und nachvollzieh bar sein muss oder durch einen neutralen Dritten unter typisierenden Annahmen erstellt wird, z.B. für Zwecke der Vermittlung und Schlichtung. Denn einen eindeutigen Mechanismus zur Bestimmung der Fungibilität und Quantifizierung eines Bewertungsabschlags gibt es nicht. Dagegen fließen für argumentative Zwecke in Kauf oder Verkaufssituationen, z.B. M&A-Transaktionen, typischerweise subjektive und einzelfallbezogene Aspekte in die Unternehmensbewertung ein. Die Verkaufsseite macht oftmals Integrations-, Synergie und Re strukturierungspotenziale werterhöhend geltend, während bspw. die Käuferseite im Fall von Minderheitsbeteiligungen6 etwaige Fungibilitätsabschläge zur Begründung von Wertminderungen heranzieht.

Jetzt den ganzen Artikel lesen.
Dies ist eine kurze Vorschau. Tragen Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein und erhalten Sie den vollständigen Artikel bequem per E-Mail in Ihr Postfach.